111.Ein Tag im Sommer 1998

Ein gut abgestimmter Klangkörper

Tauberzeitung, 14.10.1998

Dass die Uraufführung der Sommertags-Komposition
von Xaver Paul Thoma das Konzertprogramm
anführte, war naheliegend, weil es immer sinnvoll ist,
das Neue von der noch unabgenutzten
Aufnahmebereitschaft des Publikums profitieren zu
lassen. Doppelt sinnvoll, da es
sich bei diesem Werk um eine stimmlich und klanglich sehr
differenzierte und ungeteilte Aufmerksamkeit beanspruchende
Angelegenheit handelt.
Seine Musik EIN TAG IM SOMMER 1998 für Streichorchester und Harfe", die er aus gegebenem Anlass mit einigen
Erläuterungen dem Publikum persönlich vorstellte, ist
nach eigener Aussage
ein Stück Programmmusik: Die verschiedenen
Stimmungen eines Sommertages sollen wiedergegeben
werden, wobei als formales Gerüst eine immer
wiederkehrende
Tonreihe zugrunde liegt, die aus einem Teil
der Buchstabenfolge Kammerorchester Bad Mergentheim gewonnen wurde.
Diese Vor-Ordnung erlaubte es Thoma
nun, die vielfältigen Klangmöglichkeiten
von Streichern und Harfe voll und frei
auszunutzen, um damit wechselnde atmosphärische
Stimmungen zu erzeugen,
die wirklich dazu angetan sind, beim Hörer
Assoziationen an die atmosphärischen
Launen eines schwülwarmen Sommertages zu
erwecken. Die Harfe (gespielt von
Annemarei Brede - Harfe) hat dabei vor allem die
Aufgabe, zusätzliche ätherische Klang-
räume zu öffnen, weniger, solistisch her-
vorzutreten. An Klangeffekten herrscht
kein Mangel, nervöse Tremoli, Glissandi,
Flageoletts, derbe Schläge mit dem Bogen
auf Saiten und Korpus sorgen für Abwechslung und
trotzdem bleibt der beherrschende Gesamteindruck
einer Statik der
Musik, die immerfort in sich kreist, vor
sich hin brütet oder unruhigen Träumen
nachhängt. Womit man wieder bei der typischen
Stimmung eines Sommertages an-
gelangt wäre ...

 

 

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