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107.KONZERT für Oboe d'amore und Orchester

Klanggespinste und fromme Märsche

Ein Sprung ins Heute war die Uraufführung des Konzerts für Oboe d'amore von
Xaver Paul Thoma.
Was dieser hier vor allem aus dem Orchester an Raffinements herausholt, war wie ein Hörbild spannender Klangveränderungen: Kleine Streicherbesetzungen, üppiger Bläserapparat (ohne Oboenfamilie), darunter Bassetthorn, Kontrafagott, ein Schlagwerk u.a. mit Becken, Trommeln, Peitsche, Rute, Glockenspiel, Schüttelrohr, Bongos, Holzblöcken schufen für den Solisten
ein immer wieder changierendes Klangbett.
Gerhard Veith, dem das Werk gewidmet ist, konnte mit seinem diffizilen Solopart in meist elegischen Melodiepartikeln, kecken Intervallsprüngen, im Korrespondieren mit den spitzen oder samtenen Orchesterkommentaren die Farbvaleurs der Oboe d'amore herauskehren: warme, auch herbe Töne, virtuose Sequenzen in den Kadenzen. Und als ein besonders zartes Tongespinst flimmerte, stand ein Schlagzeuger auf und schlug den mächtigen Hammer (wie in Mahlers Sechster). Da war das Eis gebrochen und man flüsterte eine Zeitlang. Motorischer Thrill ist in dem Werk Mangelware, doch der artige Beifall verriet Anerkennung für die Klangspannung und Gerhard Veiths Leistung.

Augsburger Allgemeine, 11. Februar 1998

 

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