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148.Trazom

 

Ein Nachhall zum 250. Geburtstag von W. A. Mozart

TRAZOM 2006
Einführungstexte für Konzertprogramme werden in der Regel verfasst, um musikalische Inhalte ins
Bildhafte zu transportieren, und dadurch verschiedene emotionale Schichten offen zu legen –
sozusagen von aussen nach innen.
Das lässt mich in Versuchung geraten, diesen gerade entstehenden Text mit einem neuen Titel zu
versehen: ... ein Nachhall vom Nachhall zum .......... Nachhall?
Eine Metamorphose, die verschiedene Jahrhunderte umfasst. Ein Text über die Schönheit
Mozart’scher Musik (Hans Werner Henze), der vor 30 Jahren entstand, führt direkt zu originaler
Musik von Mozart (Das Veilchen), allerdings in einem anderen Klanggewand. Die Fassung Mozarts
mit dem Text von Goethe wird umgewandelt in ein Instrumentalstück für Streichorchester (ohne Text)

– das Gedicht von Goethe ist Auslöser für ein neues Lied, mit neuer Musik. Deshalb der Titel = Das
(andere) Veilchen.
Das populäre Lied von Mozart erklingt zwar, führt den Hörer aber über den losgelösten Text in eine
andere musikalische Welt.
Schon der allererste Beginn von TRAZOM 2006 suggeriert etwas anderes, die Musik erscheint
gleichsam wie durch einen Filter. Zu hören ist Musik, die stark an Mozart erinnert, aber nicht von
Mozart so komponiert wurde, die lediglich das Vokabular benutzt. Der bildhafte Spiegel ist ja schon
im Titel enthalten.
Ich glaube, es war Ende des Jahres 2004, als ich mit einigen Mitgliedern des Kammerorchesters Bad
Mergentheim zum ersten Male die Idee erörterte, zum Mozartjahr 2006 für das Orchester ein neues
Werk zu komponieren. Da ich viele Spieler dieses Amateurorchesters seit Jahren kenne, und ich im
Laufe der letzten 10 Jahre auch schon mehrere Partituren für das Orchester geschrieben habe, fand ich
diese Idee reizvoll. Als Konzerttermin etablierte sich zunächst der beginnende Dezember 2006, aus
diversen Gründen wurde dann der 12. November festgelegt.
Mein Wunsch war es dann, Gesangs- und Instrumentalsolisten sowie Sprecher mit einzubeziehen, um
möglichst viele Facetten des Jubilars betrachten zu können.
Bevor ich nun allerdings die ersten Noten der Partitur aufs Papier brachte, habe ich mich im Jahr 2005
und auch 2006 durch viele, viele Bücher gelesen, die sich direkt oder flankierend mit W.A. Mozart
auseinandersetzen.
Für mich persönlich habe ich dabei auch beeindruckende Entdeckungen gemacht! Anlässlich eines
Besuches in Freiburg bei Walter Dennig wurde ich auf die Spur von Karl Barth gebracht. Walter
Dennig war in meinem Geburtsort Haslach/Kinzigtal in den Jahren um 1960 Pfarrer an der
evangelischen Kirche, und in späteren Jahren haben sich unsere Wege immer mal wieder gekreuzt.
(Walter Dennig hat bei dem Theologen Karl Barth ((1886 – 1968)) in Basel studiert und er feierte im
April 2006 seinen 80. Geburtstag)
Nun, um auf den Punkt zu kommen, in dem anregenden Gespräch mit Walter Dennig kamen wir auch
auf meine Komponistenpläne, und ich erzählte ihm von dem Mozart-Projekt, worauf von seiner Seite
sofort der Name Karl Barth ins Gespräch kam.
Walter Dennig konnte sich genau erinnern, dass Karl Barth im Rahmen eines Mozart-Konzertes
eigene Texte zu Mozart vorgelesen hatte.
Dank dieser Spurensuche finden sich in meiner Bibliothek nun mehrere kleine Bücher Karl Barth’s
zum Thema Mozart.
Angesichts dieser Fülle von Entdeckungen ist klar, dass nur ein winziger Teil Eingang in meine
Partitur gefunden hat. Sehr erfrischend die scharfe Beobachtungsgabe des jugendlichen Mozart in
seinen Briefen.
Diese Schwierigkeit der Entscheidung für die Textauswahl hat dann dazu geführt, dass seitens des
Orchesters die Sorge in den (ungeduldigen) Nachfragen ab Mai/Juni 2006 doch stets grösser wurde –
schliesslich war die Partitur nach einigen Teillieferungen doch am 27. August fertig – abgeschlossen
in Bayreuth, sozusagen unter den Argusaugen eines anderen Komponistenkollegen – Richard Wagner.
Das Werk TRAZOM 2006 ist dem Kammerorchester Bad Mergentheim gewidmet!
Xaver Paul Thoma
Kirchheim/Teck 22.10.2006



 

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