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130. Streichsextett

 

STREICHSEXTETT opus 130 (2002/03)

den Asperger Kammersolisten gewidmet

Die Partiturniederschrift liegt im Zeitraum Oktober 2002 – Mai 2003.
Wenn man es genau nimmt, liegt der Arbeitsbeginn zum Streichsextett aber schon im Jahre 1998. Es existiert ein Notenblatt mit einigen Takten Musik für 2 Violinen, 2 Bratschen und 2 Violoncelli. Diese Musik ist in etwas geänderter Form in den ersten Satz INTRODUKTION“ eingeflossen.
Gerade überlege ich, was ich über das Werk offen legen kann oder soll - was nützt dem Hörer zum besseren Verständnis?
Etwa, dass der erste Satz mit „Introduktion“ überschrieben ist und nahtlos in den zweiten Satz übergeht?
Oder dass dieser erste Satz in mehreren Anläufen gar nicht zielstrebig sich einen Weg sucht, nein, gleich mehrere Wege geben die Möglichkeit nach verschiedenen Richtungen, bis der Hörer sich plötzlich an einem Ort wiederfindet, der nur noch eine Richtung zulässt; gleichzeitig Rückwege abschneidet und das Tor öffnet in eine Klanglandschaft, die Träume aus der Vergangenheit wiederholt und sie vermischt mit einer etwas schrofferen Gegenwart. Dieses Tor zum zweiten Satz (gleichzeitig der Beginn) ist überschrieben mit dem Wort „zerklüftet“, die Klanglandschaft nennt sich SCHERZO TENEBROSO, und der Vergangenheitstraum zitiert aus einem a cappella Chor „Am Abend“ aus den Jahre 1969. Klänge, die ursprünglich für menschliche Stimmen gedacht waren, fliessen in einen instrumentalen Kontext.
TENEBROSO (aus den Spanischen) ist ein Wort, das, spricht man es vor sich hin, viel Musik, eben auch Klang in sich birgt. Die Bedeutung „finster, dunkel“ beinhaltet ebenso Geheimnisvolles.
Am besten erklärt das Gedicht von Joseph v. Eichendorff (1788 – 1857) die Stimmung, an die sich der jetzt 50jährige Komponist erinnert, als er mit 17 Jahren das Gedicht vertonte.

Am Abend
Schweigt des Menschen laute Lust,
Rauscht die Erde wie in Träumen,
Wunderbar mit alten Bäumen,
Was der Herzen kaum bewusst.
Alte Zeiten, linde Trauer,
Und es schweigen leise Schauer
Wetterleuchtend durch die Brust.

33 Jahre später mischen sich herbere Töne in meine Musik, bedingt durch Erlebnisse, aber auch durch Ereignisse, die täglich von Aussen in mein Leben dringen. Gelesen, gehört oder gesehen, aus der Ferne oder Nähe.
Jede Komposition hat gezwungenermassen einen Anfang und ein Ende. Das bedingt die Notation, und die Beschränkung auf eine gewisse Zeit-Dauer des Erklingens. Für mein persönliches Komponistenleben fühle ich sicher, dass ich nur ein einziges riesiges Musikstück schreibe, sozusagen wie in einem Bergwerk oder Steinbruch. Mit jeder neuen Partitur kann ich einen Teil ernten und einer neuen Form oder Bestimmung zuführen.
Ich kann auch sagen, jede Komposition hinterlässt offene Fragen, die im Folgenden auf eine Lösung warten; aber immer wieder gibt es Neues, das offen bleibt.
Rückgriffe und Verschränkungen innerhalb der Stücke sind die Konsequenz.
Deshalb gibt es im Dritten Satz des Sextetts, „ADAGIO“ überschrieben, Entwicklungen, die ihren Ursprung in der „INTRODUKTON“ haben, ja sogar wie eine Klammer in den Vierten Satz reichen.
Dieses „Finale“ ist ENIGMA überschrieben, und das Tonmaterial ist unter anderem aus den Namen der Interpreten festgelegt; den Interpreten, denen die Komposition gewidmet ist.

Kirchheim/Teck, 3. Juni 2003
Xaver Paul Thoma

 

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