Werkkommentar CONCERTO

 

MUSIK FÜR ORCHESTER
- CONCERTO GROSSO –
1989

Ein Text soll entstehen als Beigabe zur Uraufführung meiner Musik für Orchester. Was, wozu Erklärungen? Immer mehr gibt es eine Sperre in mir, vor dem „Erklingen“ den Hörer in eine Richtung zu drängen, und dadurch das unvoreingenommene, unbelastete Aufnehmen der Musik von vornherein zu vereiteln.

Überhaupt Eitelkeit – ist es nicht ausschließlich Eitelkeit, die einen Komponisten zur Buchstaben-Anhäufung treibt, so als müßte erst einmal eine breitgefächerte Rechtfertigung – eine Offenlegung der Offenlegung der (Aus/Vor/Un/Ein)- Bildung – das Schreiben von Musik entschuldigen?

Musik, die aus einem inneren Trieb entsteht, braucht keine Erklärung, nach mehrmaligem Hören wird sich eine Partitur sowieso mit allen Schwächen und Stärken offenbaren, als logische Konsequenz die nächste Partitur nach sich ziehen, unausgesprochen gebliebene Dinge bloßlegen, Emotionen aufbrechen oder zuschütten...

Diese Musik ist im Untertitel CONCERTO GROSSO überschrieben, und allein schon dieser Zusatz – fürchte ich – wird vielleicht die Erwartungshaltung einiger Hörer des heutigen Konzerts in falsche Bahnen lenken. Der einzige bewußte Traditionstribut besteht in der Gegenüberstellung von Concertino (Streichquartett) und Tutti (Orchester) , oft allerdings überlappend verschmolzen. Der äußere Anlaß (die Auftragsvergabe) hatte auf die innere Entwicklung der Partitur keinen Einfluß, eher die Eindrücke der verschiedenen Orte, die während der Partiturniederschrift bereist und bewohnt wurden.

Die erste gedankliche Beschäftigung mit dieser "Musik“ begann vor einem Jahr in meinem damaligen Wohnsitz in der Swinmark (Niedersachsen). Beginn der Partiturniederschrift im Sommer 89 war in Bayreuth, Wohnortwechsel nach Bad Mergentheim, begleitet hat mich die Partitur dann auf Konzertreisen nach Leningrad und Moskau. Die letzten Takte kamen am 28. Oktober 89 in Dresden aufs Papier, der Tag, an dem dann abends in einem politisch brisanten Umfeld meine II. Kammersymphonie zur Uraufführung kam.



Der Text wurde geschrieben für das Programmheft zur Uraufführung am 19./20. Februar 1990 in Freiburg.

Solisten: Ildiko Moog – Ban (Violine)
Martin Klein (Violine)
Wolfram Gündel (Bratsche)
Garbis Atmacayan (Cello)
Robert Newson (Cembalo)

Philharmonisches Orchester der Stadt Freiburg
Dirigent: Donald C. Runnicles

 

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